Ostergeschichten

      Ostergeschichten

      Der verfressene Osterhase




      Es war einmal im Frühling, als die Osterhasen im geheimen Eierland gerade die Eier färbten, wie jedes Jahr. Und da war ein ganz geiziger und böser Hase: Der wollte den
      Kindern kein einziges Ei schenken. Dieser gemeine Hase hieß Tobi, aber die anderen Hasen nannten ihn einfach Geizi. Warum? Das könnt ihr euch ja denken. Der Geizi hatte
      gerade zugeschaut wie sein Freund Manni ein wunderschönes Muster auf ein Ei malte und als er damit fertig war, tat er es behutsam in den bunten Eierkorb, indem auch die
      Eier der anderen Hasen waren. Als Manni den Geizi bemerkte, sagte er: „ Willst du auch mal ein Ei bemalen? Das macht richtig Spaß und die Kinder werden sich bestimmt
      freuen.“ Doch wie der Geizi so ist, antwortete er kopfschüttelnd: „ Mal doch die Eier alleine an. Ich esse meine Eier lieber selber, anstatt diese an die Kinder zu verteilen!“ Ihr
      könnt euch bestimmt vorstellen, wie sauer der Manni da war. Aber er tat so, als habe er nichts gehört und fing an, ein anderes Ei zu bemalen. Da ging der Geizi weiter. Und
      plötzlich hatte er eine ganz gemeine Idee: Er wollte die Eier von den anderen Osterhasen verstecken, damit kein einziges Kind ein Ei bekommen würde, und er alle Eier alleine
      aufessen könne. Auf diesen Einfall war der Geizi so stolz, dass er diesen sogleich ausführen wollte. „Mann, bin ich schlau!“ murmelte er zufrieden vor sich hin. Und in der
      Nacht, als die anderen Hasen schliefen, schlich er sich an den Eierkorb und stahl alle Eier. Und am nächsten Tag hatte kein Hase mehr ein einziges Ei. „ Wo sind denn unsere
      Eier verschwunden?“ fragten die Hasen verwundert und die kleine Häsin Lilly schluchzte: „ Morgen ist doch Ostern! Was werden die Kinder nur denken?“ Und der Papa von
      Lilly beteuerte: „ Ich habe mir ja soviel Mühe gegeben!“ Doch der Manni wusste gleich, wer auf so eine gemeine Idee nur kommen konnte. „ Na warte! “ dachte er, als er sah
      wie der Geizi ganz unschuldig dreinschaute. Und am Abend, als der Geizi schlafen gegangen war, teilte der Manni seine Vermutung den anderen Hasen mit. Und die waren
      natürlich richtig wütend auf den Geizi. „ Wenn der Geizi Schuld ist, dann bekommt er aber diesmal wirklich eine Strafe.“meinte der Papa von der Lilly. Manni nickte
      zustimmend. Irgendwann reicht es jedem! Daraufhin schlichen alle Hasen in den Bau vom Geizi und entdeckten da alle ihre schönbemalten Eier. Erleichtert sammelten sie ihre
      Eier ein und überlegten sich dann eine Strafe für den Geizi, der da so friedlich in seinem Bett lag und mit seinem hinterlistigem Grinsen übers ganze Gesicht, die schönsten
      Träume zu haben schien. Und während sie sich berieten, hatte der Manni eine tolle Idee: Eine Geizifalle! Und sie suchten das Allergrößte Osterei und bliesen es aus und
      brachen es entzwei. Und dann beschmierten sie eine Hälfte mit Leim.

      Als nun der neugierige Geizi am nächsten Morgen erwachte und es neben seinem Bett sah, ging er nahe an das Osterei ran und guckte rein. Da kam ihm wieder so eine
      gemeine Idee: Er wollte in das Ei steigen und die Kinder erschrecken. Und so stieg er in das Ei. Da kamen plötzlich alle Hasen aus ihren verstecken und lachten. Der Geizi
      verstand erst gar nicht was los war, und wollte wieder hinaussteigen. Da bemerkte er, dass er klebte. „ Lasst mich raus! Ich klebe!“ bat der Geizi. „ Nein! Du hast nur immer
      Gemeinheiten im Sinn. Du bleibst jetzt da drin! Da kannst du wenigstens kein Unheil mehr anrichten.“ Sagten die Hasen. Und dann hoppelten sie hinaus um für die Kinder
      ihre Eier zu verstecken. Doch der Manni blieb noch beim Geizi. „ Hey, Manni! Hilf mir doch!“ jammerte der Geizi. Doch der Manni sagte nur: „ Du musst jetzt vorläufig da
      drinnen bleiben, damit wir in Ruhe die Eier verstecken können! Das ist deine Strafe!“ „ Aber ich will raus!“ schimpfte der Geizi. „ Nein, du bleibst jetzt da drin, bis du ein
      lieber Osterhase geworden bist.“rief der Manni und hoppelte davon. Was mit dem Geizi weiter passiert ist, weiß man nicht. Aber wenn er sich gebessert hat, kann man ihn
      vielleicht an Ostern in einer Eierhälfte hoppeln sehen, weil er den Kindern Eier verstecken muss, damit die Osterhasen ihn eines Tages wieder freilassen...

      Martina Folge
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Der kleine Kobold


      Im Wurzelreich einer alten, dicken Weide lebte Plum, ein Kobold. Plum war ein fröhlicher kleiner Kerl, wenn im Frühling die Blumen und Gräser ihrer Spitzen aus der Erde streckten, kam auch Plum aus seinem Reich hervor. Er freute sich am Sonnenschein, da ihm das Leben unter der Erde im Winter doch recht eintönig war. Er liebte es, die Tiere zu beobachten und kannte jedes einzelnes Pflänzlein. Für Plum war der Frühling die schönste Jahreszeit. Ganz in der Nähe von Plums Weide lebte eine Hasenfamilie. Jedes Jahr half Plum der Hasenfamilie beim Ostereierfärben. Fingen die Bienen an ihren ersten Honig von Weidenkätzchen und Krokussen einzusammeln, meldete sich Plum bei den Hasen und bot seinen Dienst an. Da Vater Hase in jedem Jahr mehr Arbeit hatte, freute er sich stets, Plum zu sehen. „Du kannst gleich heute nacht auf den Hof vom Bauern Fiedler gehen und die Eier von den Hühnern abholen.“ Plum kannte den Weg zum Bauern genau und freute sich schon auf seine wichtige Aufgabe.

      Schnell vergingen die Stunden, sobald es dunkelte machte sich Plum auf den Weg. Braunchen hatte schon auf Plum gewartet. Die letzten Tage war der Bauer recht verärgert gewesen, da er annahm seine Hühner würden keine Eier mehr legen. „Wir hatten schon bange, der Bauer wolle uns im Suppentopf haben. Ab morgen wird ja nun alles besser. Du hast deine Eier für die Hasen und wir könne sie dem Bauern wieder geben“.„Einfach ist es bestimmt nicht die Eier zu verstecken“ stimmte Plum der Henne zu „aber jetzt müssen wir uns beeilen, bevor Hasso uns entdeckt“. Schnell wurde der Wagen beladen und Plum machte sich so vorsichtig wie möglich mit seiner kostbaren Fracht auf den Weg ins Hasenreich. Als der Morgen graute und die Vöglein den Tag mir einem neuen Lied begrüßten, hatte Plum sein Ziel erreicht. Schnell wurden die Hasen munter, ein anstrengender Arbeitstag lag vor ihnen. Vater Hoppel hatte längst die schönsten Farben gesammelt und bereit gestellt. Plum hielt ein kleines Schläfchen unter einer Butterblume um dann frisch gestärkt beim Färben der Eier zu helfen. Aus seinem Schatz, hatte er als Krönung des Ganzen ein wenig Gold mitgebracht. Als der Tag sich dem Ende zu neigte, waren die Hasen mit ihrer Arbeit fertig. Am nächsten Morgen sollten die Eier bei den Kindern der Umgebung versteckt werden. Die einzelnen Körbchen wurden bereit gestellt und alles legte sich zur Ruhe.

      Schon bevor die Sonne den neuen Tag weckte, war Hopps auf den Beinen. Er hatte sich vorgenommen Mutterhase mit einem Blumenstrauß zu erfreuen. Als er jedoch an den Körbchen vorbei kam, musste er mit Schrecken feststellen, dass Alle leer waren. Noch nie war so etwas vorgekommen. Mit Hallo wurden nun die anderen Hasen geweckt. „Wer kann das nur gewesen sein?“ schluchzte Hopps. „Wir werden gleich Plum um Hilfe bitten! Geht schnell zu ihm und weck ihn, er möchte her kommen!“ schickte Vater Lampe Hupps auf den Weg. Auch Plum war erbost über soviel Frechheit. Sofort sprang er aus seinem Blätterbett und ging mit Hupps um bei der Suche nach dem Dieb zu helfen. „Als wir gestern die Eier färbten, beobachtete ich die Elster. Sie stolzierte ständig um uns herum.“ Erinnerte sich Plum. Schnell wurde das Eichhörnchen allarmiert um im Nest der Elster nachzusehen. Und er wurde fündig! Nun war Eile geboten. Springschnell sammelte alle Eier ein so schnell er konnte. Oh wie oft musste er den Baum hoch und wieder runter klettern, damit keins der Eier beschädigt wurde. Es dauerte jedoch nicht lange und Springschnell hatte es geschafft. Auch Plum nahm sich heute einen Wagen und half beim verteilen der Eier. Da jedoch Alle mit Fleiß bei der Sache waren konnte schnell die versäumte Zeit aufgeholt werden und als die Kinder aus dem Haus traten um ihr Osternest zu suchen, waren längst alles versteckt.

      Wie konnte es kommen, dass sich die Elster so für die Ostereier interessierte? Am Tage hatte sie beobachtet wie Plum etwas von seinem Golde zur Verfügung gestellt hatte, so dass in diesem Jahr jedes Ei einen besonderen Glanz erhielt. Und da bekanntlich Elstern hinter allem her sind was glänzt und glitzert, hatte sie alle Eier in ihr Nest gesammelt. Oh wie staunte sie, als die von ihrem Morgenflug zurückkehrte und das Nest leer fand. Da die Häslein jedoch alle Eier schon verteilt hatten kam sie diesmal zu spät.

      Haben wir nicht etwas vergessen?“ meinte Vater Lampe als sich die Hasen nach ihrem schweren Werk wieder versammelt hatten. „Nein, alle Eier sind verteil. Jeder wird sein Nest gefüllt vorfinden:“ überlegte Hupps. „Und doch haben wir etwas vergessen! Ich werde es Euch sagen, als wir heute früh in großer Not waren, hat Springschnell uns sofort geholfen und es war keine leichte Aufgabe. Dafür sollten wir uns bei ihm bedanken.“ Nun machte sich Hopps auf den Weg zu Springschnell und brachte ihm als Geschenk das schönste Osterei, des Jahres. Dies Ei wurde im Hasenland in jedem Jahr aufgehoben um nach der Arbeit, den Hasen auszuzeichnen, der in dem Jahr am fleißigsten gewesen war oder der das schönste Ei bemalt hatte. Springschnell war zwar kein Hase, ohne ihn hätte es jedoch in diesem Jahr kein Osterfest gegeben. So bekam Springschnell diese Auszeichnung über die er sich sehr freute.
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Sophie beim Osterhasen




      Die Schneeglöckchen streckten ihre ersten Halme aus dem noch gefrorenen Erdreich. Sophie freute sich über jeden Sonnenstrahl, sie holte den Roller aus dem Schuppen und begleitete die Mutti beim Einkauf. „Mutti stimmts, wenn die ersten Blümchen blühen kommt der Osterhase?!“ frug sie heute ihre Mutti, als sie die Schneeglöckchen entdeckte. „Ganz so stimmt das nicht“ meinte die Mutti „die Schneeglöckchen kommen viel früher als die anderen Blumen aus dem Erdreich. Selbst wenn noch eisige Stürme wehen, strecken sie schon ihr Köpfchen aus der Erde und wollen uns an den Frühling erinnern. Lange dauert es aber nicht mehr, dann kommt wirklich der Osterhase.“ „Siehst du, hab ich also doch recht, bald ist Ostern!“ freute sich Sophie. „Wenn wir vom Einkauf nach Hause kommen, lese ich dir eine Geschichte vor“ versprach die Mutti. Das mochte Sophie immer besonders, wenn sich Mutti Zeit nahm und mit ihr gemeinsam ein Bilderbuch anschaute und vorlas.

      „Mutti schau mal, hier habe ich ein Buch vom Osterhasen gefunden, liest du das bitte´

      vor?“ Sophie wartete schon mit großer Aufregung auf das Osterfest. Das war mindestens genauso spannend wie Weihnachten. Früh am Morgen war der Frühstückstisch schon besonders schön gedeckt mit selbstgebacknen Brötchen und einem bunten Osternest auf dem Tisch. Aber am meisten grübelte Sophie darüber nach, wie es wohl beim Osterhasen sei. Wie er wohl die Eier bemalt? Ihr größte

      Wunsch war, einmal dabei zu sein, einmal dem Osterhasen über die Schulter, ach nein, die langen Ohren zu sehen. „Das sind ja

      Träume die sowieso nicht in Erfüllung gehen“ dachte Sophie. All ihre Freunde im Kindergarten hatte sie gefragt, aber keiner hatte bisher den Osterhasen bei der Arbeit beobachtet. Weil ihr das Buch so gut gefallen hatte, nahm sie es heute mit ins Bett. Noch einmal betrachtete sie die Bilder. Bevor sie es auf den Nachttisch legte und einschlief. Als schon Alle im Haus schliefen, hatte Sophie einen Traum. Ein Häslein aus ihrem Bilderbuch,

      wurde lebendig, kam zu ihr ins Bett und stupste sie an. „Hallo Sophie, du wolltest doch immer uns Osterhasen bei der Arbeit zusehen, komm mit!“ Sofort war Sophie bei der Sache, sprang so schnell wie noch nie in ihre Sachen und folgte dem Häschen. Draußen war es dunkel, der Mond spendete seinen goldenen Schein. Als Sophie mit dem Häschen aus der Haustür trat, wartete dort schon eine Kutsche. Sie hatte die Form eines halben Eies und sah wunderschön aus nur war sie viel zu klein um die Beiden aufzunehmen. Sophie hatte sich noch gar nicht von ihrem Staunen erholt, da stand plötzlich eine Blumenfee vor ihr hielt ihren Zauberstab in die Höhe und im nu hatten die Beiden die passende Größe für die Kutsche. In Windeseile erhob sich die Kutsche in die Lüfte und landete wenige Minuten später im Osterhasenland. Sophie

      war sprachlos. “Hier ist es ja wunderschön“ dachte sie noch als schon ein Hasenkind auf sie zu kam um sie willkommen zu heißen. „Es war doch dein Wunsch einmal bei uns zu sein, heute soll dein Wunsch erfüllt werden.“ Sprach der kleine Hase „Ich bin Hoppel und freue mich darauf dich durch unser Reich zu führen.“ „Hallo Hoppel, ich kann es noch gar nicht fassen. „ Sophie sah sich nun etwas genauer um. Überall blühten die Blumen in den

      schönsten Farben. In ihrem Garten sah es noch lange nicht so bunt aus. Kleine Kücken liefen auf der Wiese herum, die fand Sophie besonders lustig. „Wie kommen die kleinen Kücken hierher?“ fragte sie verwundert. „Wir müssen lange Zeit die Eier sammeln, die uns die Hühner zur Verfügung stellen,

      da passiert es schon mal, das ein Kücken aus dem Ei schlüpft.“ Erzählte Hoppel „und was macht ihr mit den Kücken?“ wollte Sophie nun weiter wissen. „Einige bleiben bei uns und helfen dann im kommenden Jahr Eier für das Fest zu legen, andere setzen wir auch mal aufs Körbchen wenn wir die Eier verstecken.

      Die Kinder freuen sich ganz besonders darüber.“ „Das finde ich toll, auch ich würde mich über so ein Kücken freuen!“ strahlte Sophie Hoppel an. „Nun wollen wir uns aber das Osterland besehen, sonst ist die Nacht vorbei und du musst wieder nach Hause.“ Sophie hatte alles vergessen und wurde erst jetzt daran erinnert, dass diese traumhaft schöne Zeit so schnell zu Ende gehen würde. So machte sie sich mit Hoppel auf den Weg, durchs Hasenland. „Bevor wir losgehen, schenke ich dir ein Ei, das kannst du auf dem Wege bemalen,

      wenn wir alle Häuser besucht haben, wird dein Ei hübsch bunt sein.“ Ganz vorsichtig trug Sophie ihr Ei und war mächtig stolz darauf Hoppel zu folgen. Alle Häuser im Hasenland hatten die Form eines Eies und waren wunderschön bemalt. „Wo habt ihr nur all die schönen Farben her?“ frug Sophie, die bereits angefangen hatte ihr Ei zu bemalen. „Du siehst die frischen Blumen in Fülle hier, sie spenden uns die Farben. Natürlich muss man auch verstehen die Farben zu mischen.

      Das richtig zu können ist ein altes Osterhasengeheimnis.“ Sophie kam aus dem staunen gar nicht mehr heraus. Nun näherten sie sich schon dem Ende des Hasenreiches. Im Osten zeigte sich schon das erste Morgengrauen, es wurde höchste Zeit sich zu verabschieden. Sophie hatte ihr Ei bunt bemalt und nahm es als Erinnerung mit. Schnell stieg sie in die Kutsche und los ging der Rückflug, wie auf Elfenflügeln. Wenig später kam auch schon die Mutti ins Zimmer um ihre Kleine zu wecken. Sophie schaute um sich und sah auf ihrem Nachttisch ein buntes Ei liegen. Hatte sie dies wirklich heute nacht bemalt?
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Ostern im Märchenland




      Neugierig schaute der Frühling ins Land. Im Hasenland waren wie überall schon die ersten Krokusse dabei ihre Spitzen durch die harte Erddecke zu drücken. Am Eingang zum Hasenland hatte Vater Hoppel das größte Ei auf einen Wagen gelegt und mit Blumenranken verziert. Es sollte das Zeichen für Alle sein, dass hier das Osterhasenland beginnt. Alle Hasen im Osterhasenland waren sehr stolz darauf, hier zu wohnen und mit dazu zu gehören. Immerhin lernten sie von klein auf welch wichtige Aufgabe sie als Osterhasen zu erfüllen hatten. Alle Hasen freuten sich auf den Frühling, kam doch jetzt ihre große Zeit.. Nur Einer saß traurig an der Seite, es war Hopps, ein Hasenkind. Alle durften mitmachen, jeder bekam seine Aufgebe nur Hopps bekam ständig zu hören „du bist zu klein, du kannst das noch nicht“. Hopps war jedoch so tief traurig, dass er nicht mehr essen und nicht mehr schlafen konnten. Als Abends der Mond aufging und die anderen Hasen zur Ruhe gegangen waren machte sich Hopps auf den Weg. Er hatte sich vorgenommen zum Hühnerstall zu gehen und die Henne zu bitten ihm ein paar Eier zu überlassen, damit er es den anderen beweisen konnte. Was er doch für ein großer Hase war. Als er zum Stall kam, trat ihm zuerst der Hahn entgegen „was willst du denn mitten in der Nacht, wo alle anderen schlafen“ fragte er ihn. „Guten Abend, ich bin Hopps ein Osterhase“ stellte er sich vor. „Seien sie nicht böse Herr Hahn, ich möchte nur um ein paar Eier bitten.“ „Eier, mitten in der Nacht“ wiederholte sich der Hahn „meine Hühner schlafen, außerdem habe ich mit Hoppel abgesprochen, dass morgen die Eier abgeholt werden“. „Das weiß ich ja“ sagte Hopps kleinlaut. „die Großen lassen mich nicht Eier bemalen und ich möchte ihnen doch so gerne beweisen, dass ich es auch schon kann. Darum bitte ich Dich mir nur ein paar Eier zu geben“

      „Na mein Kleiner, dann werde ich mal nicht so sein, damit wir endlich zur Ruhe kommen und du auch ins Bett gehen kannst.“ „Hört mal her“, wandte sich der Hahn jetzt an seine Hühner. Ihr habt gehört was der Kleine sich wünscht. Hat vielleicht eine von euch noch ein paar Eier versteckt?“ Da meldete sich Braunchen eine fleißige Legehenne. „Ich habe für morgen ein paar Eier

      beiseite gelegt, aber für Hoppel werden die Anderen morgen noch genug Eier zusammen bekommen.“ „Na dann geh hin und hol Dir ´die Eier“ meinte müde der Hahn.

      Zu Hoppel gewandt „Danke, danke“ rief Hopps erfreut. “Doch wie bekomme ich die Eier jetzt nach Hause?“ überlegte der kleine Hase. „Komm schon und lad auf“ meldete sich jetzt eine zweite Henne, die Mitleid mit Hopps hatte.„Ich fahre sie dir nach Hause.“

      „Ihr seit so gut zu mir, das werde ich Euch nicht vergessen“ Hopps kamen fast die Tränen vor lauter Freude. „Pack die Eier gut in Heu ein, damit sie auf der Fahrt nicht kaputt geht“ mahnte die Henne noch. Hopps tat wie ihm geheißen, und die Henne brachte ihn nach Hause.

      Im Hasendorf hatten man nicht gemerkt, dass Hopps noch einmal fortgehoppelt war. Er schlich sich schnell in sein Hasennest und schlief, umgeben von süßen Träumen bis die Sonne am anderen Morgen strahlend vom Himmel lachte. Heute saß Hopps nicht abseits, er kam zum Frühstück und ging danach fröhlich spielen. Keiner der anderen Osterhasen ahnte Hopps sein Geheimnis. „Er ist wieder vernünftig geworden“ meinte Mutter Hase.

      Als die Anderen jedoch zum Bauernhof gegangen waren um die bestellten Eier von den Hühnern abzuholen, schlich sich Hopps zur Wiese. Vater Hoppel sammelte alle Eier ein und verteilte sie an die Osterhasen. Alle gingen sehr behutsam mit der zerbrechlichen Last um, damit sie diese ja ganz nach Hause brächten.

      In der Zwischenzeit hatte sich Hopps auf der Frühlingswiese umgesehen. Seine Eier sollten ja schließlich die Schönsten werden, hatte er sich vorgenommen. Er hoppelte zum Vergissmeinnicht und bat es um blaue Farbe. „Gerne“ antwortete dieses „helfe ich Dir mit meiner Farbe aus. Es macht mir ja auch Freude, wenn ich am Ostermorgen die Kinder bei der Eiersuche beobachten kann.“ „Danke, das werde ich Dir nicht vergessen“ strahlte Hopps. Danach lief er zum Gänseblümchen „Darf ich mir bitte ein paar von Euch Pflücken, ich brauche Euch zum verzieren der Ostereier.“ „Na da wollen wir mal nicht so sein, suche Dir die Schönsten von uns aus“ antworteten die Blümchen. Ganz vorsichtig pflückte Hopps sich

      einige Blümchen. In Tautropfen zerdrückte er ein paar Vergissmeinnicht Blättchen und färbte damit 2 Eier blau darauf klebte er mit dem Harz des Tannenbaumes die Blüten von den Gänseblümchen. Jetzt ging Hopps zu den Stiefmütterchen und erbat sich gelb und violett von ihnen . Gerne gaben auch diese Blümchen ihre schönsten Farben für die Ostereier. Nun wurde ein Ei gelb und ein Anderes Violett bemalt..

      Hopps sucht sich kleine zarte Blüten auf der Wiese um sie auf die Eier zu kleben. Jetzt musste er sich aber beeilen denn die anderen Hasen würden gleich vom Hühnerhof zurückkehren. Ein Ei war noch übrig geblieben. „Das konnte doch nicht weiß bleiben“ überlegte Hopps. Einer hatte ihm jedoch zugesehen. Das war Frau Sonne, die die ganze Zeit das Treiben von Hopps beobachtet hatte und sich nun zu Wort meldete. „Hallo, Hopps schön hast Du Deine Eier bemalt. Darum möchte ich Dir für dein letztes Ei das Gold meiner Sonnenstrahlen leihen.“ Wie staunte Hopps von der Sonne angesprochen zu werden. „Wie soll das gehen“ fragte er. „Lege das Ei hier auf die Wiese“ meinte die Sonne „und gehe zur Seite“. Hopps tat wie ihm geheißen und legte das letzte Ei ins Gras. Es dauerte nur wenige Sekunden und sein Ei war in pures Gold getaucht. „Danke“ flüsterte Hopps ganz andächtig.

      Schnell versteckte er seine Eier in einer Mulde auf der Wiese und tat als ob nichts geschähen wäre. Inzwischen waren die anderen Hasen mit ihren Eiern im Hasendorf angekommen und begannen mit der Arbeit. Hopps beobachtete sie mit stillem Vergnügen. Als alle Eier bemalt waren, forderte Hoppel auf die Eier in ein großes Nest zu legen. Am nächsten Morgen sollten die Eier dann an die einzelnen Osterhasen verteilt werden und jeder würde zum verstecken in die einzelnen Gärten hoppeln. So trugen also die Hasen ihre Eier zusammen. Als Alle zur Ruhe gekommen waren, schlich sich Hopps zu seinen Eiern und legte diese ebenfalls ins gemeinsame Nest.

      Welch ein staunen ging durch die Hasen als sie am anderen Morgen das große Osternest betrachteten. „Wo kommen denn diese Eier her?“ „Wer hat die Eier denn gefärbt?“ So hörte es Hopps von allen Seiten. Als alle Hasen beisammen waren und das Rätsel nicht lösen konnten. Meinte Hopps ganz bescheiden „das war ich“. „Duuu??“ fragten alle Hasen wie aus einem

      Munde. « Ja, ich ! » antwortete Hopps noch einmal. „Ich habe mir nachts 3 Eier von den Hühnern geholt und als ihr eure Eier holtet, habe ich meine bemalt. Die Sonne hat mir geholfen und ihr Gold für mein drittes Ei spendiert.“ „Das war ja eine tolle Leistung“ lobte ihn Hoppel vor allen Hasen. „Weil du so ungewöhnlich hübsche Eier gefertigt hast, darfst du jetzt auch beim verstecken helfen“. „Du kannst mit Hupps zum Forsthaus gehen. Deine Eier darfst du selbst verstecken.“ Das war die größte Auszeichnung die Hopps bekommen konnte und er war sehr stolz darauf. Gag, das Huhn beobachtete alles und freute sich für Hopps das die Mühe die er sich gemacht hatte nicht umsonst war. Sie erzählte es allen Hühnern.

      Christina Telker
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Hoppel und der Schneemann




      Wieder einmal neigte sich der Winter seinem Ende zu. Dieses mal will er sich aber noch gar nicht so recht verabschieden. Deshalb ist auch Vater Hase unterwegs, um sich im Walde etwas genauer umzusehen. Da es schon spät ist, wagt sich Hoppel etwas weiter vor. Als er den Waldrand erreicht, sieht er einen großen weißen Mann stehen. Zuerst ist Hoppel etwas ängstlich, noch nie in seinem Leben ist er einem Schneemann begegnet. Da ruft aber auch schon ein frecher Spatz: „Nun mal keine Angst Hoppel, das ist doch nur ein Schneemann“. „Ein Schneemann, was ist das?“ fragt Hoppel. „Ich bin total aus Schnee und tue Keinem was“ antwortet da auch schon der Schneemann. „Ganz aus Schnee??“ staunt Vater Hoppel, oh weh! Da sieht es ja diesmal schlecht mit dem Osterfest aus.“ Fängt Hoppel an zu jammern. „Was ist Ostern? Erzähle mir davon!“ Bittet der Schneemann. Gerne lässt sich Hoppel auffordern und erzählt. „Zu Ostern, werden von uns Osterhasen, Eier bemalt und versteckt. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, da sich alle Kinder überall schon seit dem Weihnachtsfest auf Ostern freuen. Die Bäume haben die ersten Knospen, auf der Wiese wächst das erste Grün und Frühlingsblumen erfreuen jedes Herz. Diese erste warme Zeit nach dem langen Winter lässt die Menschen aufatmen und dann kommen wir und erfreuen sie mit den bunten Ostereiern.“ „Das muss sehr schön sein, schade, das ich es nie erleben kann.“ „Ja, da hast du recht, das ist schade, aber wenn Schnee liegt können keine Blumen wachsen, wir haben keine Farben für unsere Eier und können keine Eier bemalen und verstecken.“ „Das ist allerdings schlimm“ meint der Schneemann. Als Beide so traurig dastehen und überlegen, was man denn da machen könnte, beobachtete von weitem Wupps das Treiben. Jetzt näherte er sich den Beiden.“ Ich hätte da einen Vorschlag für Euch Beide.“ Hoppel und der Schneemann wandten sich verwundert zu Wupps dessen Kommen sie gar nicht bemerkt hatten. „Hört mal zu, ich habe Euch einen Vorschlag zu machen. Bei uns im Zwergenland können wir Euch Beiden helfen. Für den Schneemann wüste ich eine tiefe Höhle, dort wo wir immer nach Erz graben. Dort ist es sehr kalt, und du kannst nicht so einfach tauen. Du könntest also einmal Ostern miterleben. Und du, wandte er sich jetzt an Hoppel, für dich haben wir vom letzten Jahr noch Farbe. Damit kannst Du in diesem Jahr die Ostereier bemalen und Ostern braucht nicht auszufallen.“ „Du bist Spitze!!“ jubelten die Beiden. „Gleich machen wir uns auf den Weg“ beschlossen sie. Wupps ging voraus und leuchtete den Beiden den Weg. Noch eine ganze Weile stapften sie durch hohen Schnee, bis sie das Zwergenland erreichten. Wupps er zählte den anderen Zwergen von seinem Vorschlag, der einstimmig angenommen wurde. Alle waren begeistert, das Ostern in diesem Jahr im Zwergenland vorbereitet werden sollte. Der Schneemann wachte am Eingang zum Zwergenland, denn noch brauchte er sich nicht in der Höhle zu verstecken. Die Zwerge halfen Hoppel beim Eier bemalen. Langsam lachte die Sonne etwas länger und etwas wärmer vom Himmel. Die Eier waren fertig bemalt, nun galt es nur sie ins Osterhasenland zu bringen damit sie am Ostermorgen von der Hasenfamilie versteckt werden konnten. Unser Schneemann hatte sich längst in die Zwergenhöhle zurück gezogen. Die ersten Schneeglöckchen streckten ihre Köpfchen durch die Erde. Draußen taute der Schnee fort und die ersten Käfer kamen hervorgekrabbelt. Unsere Hasenfamilie war fleißig beim Verstecken der Eier. Wenn es auch noch etwas kalt war, so freuten sie sich doch sehr, dass Alles so gut gegangen war durch die Hilfe der Zwerge . Auch den Schneemann vergaßen die Hasen nicht und brachten ihm ein Körbchen mit Ostereiern in die Zwergen Höhle. Dort schlief er dann bis zum nächsten Winter.

      Und die Kinder jubelten wie in jedem Jahr, auch wenn der Wind noch etwas kalt blies.

      Christina Telker
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Das Märchen vom Osterhasen



      Vor langer Zeit lebte in einem Land jenseits des grossen Wassers,
      in der Unendlichkeit des Himmels, ein junger Prinz. Als dieser sich gerade auf die Jagd begeben wollte, sah er am Waldrand ein kleines Mädchen, dass bitterlich weinte. Nachdem sich der Prinz nach der Ursache seiner Traurigkeit erkundigt hatte, berichtet ihm das Mädchen von der bösen Hexe Mixulda, die den einzigen Osterhasen des Landes gestohlen hatte. Gerade noch hatte sie beobachten können, wie die Hexe den kleinen Hasen in Richtung des grossen Zauberfelsens verschleppte.
      Und wieder begann das Mädchen zu weinen. Da versprach der Prinz alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Osterhasen zu befreien und er begab sich sogleich auf den gefahrvollen Weg zum Zauberfelsen. Dort angelangt, verlangte er von der Hexe mit mutiger Stimme, die Herausgabe des Hasen. Mixulda wollte den Osterhasen jedoch um jeden Preis behalten. Doch der Prinz gab nicht auf. Er redete so lange mit der Hexe und erzählte ihr einen Geschichte nach der Anderen, bis sie übermüdet einschlief.
      Darauf hatte der Prinz nur gewartet. Beherzt befreite er den Osterhasen aus seinem Käfig und sperrte die Hexe dort ein. Mit dem Osterhasen zusammen kehrte er zurück zu dem Mädchen, dass ihn schon sehnsüchtig erwartet hatte. Da war die Freude über den befreiten Osterhasen und die besiegte Hexe Muxilda riesengross. Der Osterhase jedoch, bedankte sich seit dieser Begebenheit jedes Jahr zur Osterzeit mit schönen, farbigen Eiern für die Hilfe des Prinzen und des kleinen Mädchens.



      Christina Telker
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Die Ostergeschichte



      Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab Jesu und sieht, daß der Stein vom Grab weg war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus liebhatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. Es liefen aber die zwei miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab hinein und sieht die Leinentücher liegen, aber das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wieder heim.

      Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.


      Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.


      Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.


      Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, daß es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriß doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, daß Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.


      Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebhatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist's, der dich verrät? Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! Da kam unter den Brüdern die Rede auf: Dieser Jünger stirbt nicht. Aber Jesus hatte nicht zu ihm gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an
      ?



      Die Ostergeschichte - Quelle: Johannes, Vers 20 und 21


      Nach dem Evangelisten Johannes ( Johannes 20&21).
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      Das verlorene Häschen

      :ostern6:

      Von Brigitte Aubrey

      Der winzige Bauschball in beige und weiss hoppste langsam forwaerts.

      Es war das kleinste Haeschen, Das Du jeh laufen--Oh, hoppsen gesehen hast.

      Es war noch nicht so lange her, das er seine Augen geoeffnet hatte und schaute sich Gottes welt voller Wunder an.

      Er war ganz wuschelig mit weissen Ohren und grossen Fuessen. Im Moment aber wollte er eigentlich seine Mama haben da er etwas hungrig war. " Wo sind die alle geblieben," wunderte sich der kleine Mikey. Auf einmal war er ganz alleine. Dabei war doch nur mal ein bisschen vom Nest weggehopst, weil er so einen komischen, grossen Hasen gesehen hatte. Der fremde Hase sah ganz anders aus als seine Familie. So hopste er eben hinter her, um sich das Wesen mal naeher anzusehen.
      Als er es anstarrte, merke er , das der fremde Hase nur zwei Fuesse hatte, und die hatten auch eine andere Farbe. " Na so was," dachte sich Mikey. Ploetzlich streckte sich die komische figure, und breitete die riesigen Arme aus. Mikey erschock so, dass er schnell rueckwerts laufen wollte, und in seiner Eile ueberschlug er sich und rollte den Anhang runter.
      " Oh, was war das nur fuer ein erschreckendes Wesen! Vielleicht ist es ein Ungeheuer!" Mikey hatte noch nie eins gesehen, aber er hatte schon davon gehoert.

      Aber nun wollte er seine Mama und Geschwister haben. Wo waren die nur? Er lief eine Zeit lang rum, aber konnte niemanden finden. Da er Hunger hatte, fing er an, das saftige , frische Grass zu mamfen. Hmm, war das gut!
      Aber bald war er voll, und schaute sich um. Inzwischen war es fast ganz dunkel geworden, und er konnte kaum sehen. "Mama, wo bist du?" rief er , aber kleine Haeschen haben keine laute Stimme, und niemand hoerte ihn rufen.
      Er stolperte im Dunklen rum, und ploetzlich fuehlte er etwas weiches, warmes.
      "Oh, hier ist ja mein Nest" freute er sich, und kuschelte sich tief in das warme Nest.
      Die anderen schienen alle schon zu schlafen, und Mama muss wohl weg zum Essen sein…

      Bald war Mikey eingeschlafen. Molly, die Kanadische Gans, kam heim und setzte sich gemuetlich auf ihr Nest und schloss zufrieden die Augen. Der Mond schien friedlich auf das kleine Waeldchen, und fast alle Geschoepfe Gottes schliefen.

      " Was kitzelt mich da?" Mikey wunderte sich verschlafen. Er oeffnete ein Auge, aber es war noch dunkel draussen. Neben ihm zerbrach einer seiner Geschwister was. Dann stuppste ihn einer mit nassen Fuessen. Neben ihm schluepfte ein kleines Gaenschen aus einem Ei. Aber da er selbst noch so klein und unerfahren war, verstand er das nicht. " Was ist hier nur los?" wunderte sich Mikey und schaute
      sich um.
      Ploetzlich war es hell, und er schaute voller Staunen um sich. Noch ein Ei zerbach, und noch ein sehr haesslicher Hase kam rausgeschluepft.
      Mikey schnueffelte daran. " Wo kommen all diese fremden Hasen her?" dachte er.
      " Und die sehen so komisch aus."
      Was war das? Oh, da kam doch das erschreckende Wesen direkt auf ihn zu, das er gestern gesehen hatte! Er versuchte, sich tief im Nest zu verstecken.

      Molly die Gans schaute auf ihre auschluepfenden Kinder. "Ach, wie schoen. Ich glaube, es wird alles gut gehen," freute sie sich. "Bald werden alle meine Kleinen hier sein." Aber-- Halt!- was war das? So ein komisches kleines Gaenschen hatte sie noch nie gesehen! Seine Federn waren ganz fusselig, und es hatte sehr lange Ohren! Ach, und es hatte sogar vier Fuesse! Wo kam das bloss her? Das konnte doch nicht ihr Kind sein? Sie versuchte, es zu kaemmen, aber die Federn kitzelten sie, und sie musste niessen.
      "Was soll ich machen?" fragte sie sich. "Aber sie war eine gute Mutter, und wuerde es versorgen, so gut sie konnte.

      Mikey wusste nicht, was er machen sollte. Er wollte seine Mama haben!
      Er hatte schon zweimal versucht, aus dem Nest zu schleichen, aber Molly hatte ihn sofort wieder reingestossen. "Die denkt wohl, ich bin ihr baby. Kann sie nicht sehen, dass ich ein grosser, kraeftiger Hase bin?" wunderte er sich.
      So verging der Tag, und bald schliefen alle wieder. Mikey hatte vor, wegzuschleichen, aber er war doch noch so klein, und er schlief auch ein.

      Am naechtsen Morgen piepsten die Kleinen. " Was machen die fuer einen Krawall? Und was sind das fuer Toene? So was sagt doch ein vernuenftiger Hase nicht, " wunderte sich Mikey wieder. Molly steckte was in die offenen Schnaebel, die die Gaenschen hoch hielten. "Oh, pfui, wie essen die denn?" Mikey wollte weg!
      Aber Mama Molly befohl ihnen allen , in einer Reihe zu stehen, und dann fuehrte sie alle.
      Die Kleinen watschelten schoen hinter Molly her, und Mikey hoppste hinter her. " Ach, laufen kann der ja auch nicht richtig, " beklagte sich Molly. Mikey dachte aber dasselbe , als er seine " Geschwister " laufen sah.
      Sie kamen zu einem See, und Molly schwamm majestaetisch langsam hin und her. Die Gaenschen liefen sofort ins Wasser, als ob sie dafuer geboren waeren! Dann schauten sie alle Mikey an, der so tat, als ob er es nicht sah, und mampfte am Grass.
      Molly kam zu ihm, und versuchte, ihn ins Wasser zu stossen. Das war aber nun doch zu viel fuer Mikey! Er hoppste, so schnell er konnte, davon. Sein kleines Herz haemmerte vor Angst.
      Molly schaute ihm nach, und merkte, das er bestimmt kein Gaenschen war. " Gott sei Dank!’ sagte sie.

      Mikey rannte, bis er Halt machen musste, um Luft zu schnappen.
      "Mama, wo bist Du bloss? Ich habe mich verirrt, und will heim!"
      Seine kleine Stimme rief so laut er es fertig brachte. Wenn er sein Nest nur finden wuerde, er wird immer auf die Mama hoeren, und nie mehr weglaufen!
      Mama Haeschen war ganz in der Naehe. War das ihr kleiner Mikey?
      "Mikey, wo bist Du?" " Mama, Mama, hier bin ich! Hol mich schnell!"
      Da kam die Mama um den grossen Busch und sah ihn. Sie umarmte ihn, und er war so gluecklich. "Mama, ich war bei Ungeheuern! Die hatten bloss zwei Fuesse, und die waren sogar gelb. Dann wollten sie, dass ich auf dem Wasser laufen soll…"
      "Spaeter, Mikey, kannst Du uns alles erzaehlen. Jetzt gehen wir heim."

      Das kleine Haeschen war uebergluecklich, sein Nest und die Geschwister zu sehen. Er erzaehlet sein Abenteuer. Mama erklaerte ihm, das er bei Gaensen war. "Gaensebabies kommen aus Eiern, das war es, was Du gesehen hast. Sie koennen schwimmen und sogar fliegen." "Aber Mama, was wollen die da oben in der Luft?"
      " Alle Kreaturen sind anders geschaffen. Manche koennen fliegen, manche leben im Wasser, und wieder andere leben in den Baeumen. Wenn ihr aelter werdet, lernt ihr viele Wunder kennen. Die ganze Welt ist voller Wunder!"
      Zufrieden und muede kuschelte sich Mikey ins Nest mit seinen Geschwistern. Das Leben war wieder in Ordnung!


      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      KLEINER HASE MIT GROSSEN OHREN!



      Es war einmal ein kleiner Hase, der hatte schrecklich große Ohren. Nun haben ja alle Hasen ziemlich große Ohren, aber dieser hier hatte die allergrößten, die man sich an einem Hasen überhaupt vorstellen kann. Er musste sich ordentlich anstrengen, wenn er sie aufrecht halten wollte. Meistens schlappten sie herunter und streiften den Boden.
      Alle andern Hasen sahen ihn höhnisch an und lachte ihn aus. "Seht nur den komischen Kerl!" riefen sie. "Hat man jemals solche Ohren gesehen? Er sollte auf den Jahrmarkt gehen und sich ausstellen lassen. Da würden die Leute staunen."
      Der kleine Hase schämte sich sehr. Er wagte sich kaum noch unter seinesgleichen. Weil er seine Ohren nicht verstecken konnte, versteckte er sich am Ende selbst, so oft und so gut es ging. An einem schönen Frühlingstag in der Osterzeit hockte der kleine Hase betrübt im dunklen Unterholz und traute sich nicht in den hellen Sonnenschein hinaus. Überall blühten Veilchen und Windröschen. Die Luft war erfüllt vom Zwitschern der Vögel. Als der kleine Hase schon lange Zeit so gesessen und betrübt hinausgeblickt hatte, sah er ein Kind näher kommen. Das ging ganz allein durch den Wald und weinte. Es war von zu Hause fortgelaufen, weil es glaubte, dass niemand es mehr lieb hätte. Das Kind war ein Mädchen und hieß Nina.
      Nicht weit von der Stelle, wo der kleine Hase im Unterholz hockte, setzte sich Nina auf einen Stein und schluchzte.
      Eine Weile hörte der kleine Hase zu. Dann verließ er sein Versteck und tippte das Mädchen mit einer Pfote an. "Warum weinst du denn?" fragte er. Nina blickte auf und war gar nicht besonders erschrocken. Sie fand, dass der kleine Hase sehr lieb aussah. "Ach", antwortete sie, "das ist eine lange Geschichte". "Erzähl sie mir!" antwortete der kleine Hase. "Ich will dir gern zuhören."
      Nina zögerte nur einen Augenblick, dann fing sie an zu erzählen: "Alles begann damit, dass ich heute morgen beim Frühstück meine Kakaotasse umgestoßen habe. Es gab einen großen Fleck auf dem Tischtuch, und meine Mutter jammerte, nun hätte sie noch mehr Arbeit als sonst."
      Nina schwieg und blickte den kleinen Hasen unsicher an. "Und dann?" fragte er. Da erzählte sie weiter: "Später in der Schule musste ich immer an meine arme Mutter denken und konnte nicht ordentlich aufpassen. Da schimpfte der Lehrer mit mir." Nina schwieg wieder. "Und dann?" fragte der kleine Hase. "Zu Hause beim Mittagessen erzählte ich, dass der Lehrer mit mir geschimpft hatte. Da wurde mein Vater böse und zankte mich aus."
      Mit Tränen in den Augen sah Nina den kleinen Hasen abwartend an. "Erzähl nur weiter!" sagte er. "Sicher war das noch nicht alles."
      Sie schüttelte den Kopf und fuhr fort: "Ich war zornig und traurig, weil mein Vater mich ausgezankt hatte. Da bekam ich Streit mit meinem kleinen Bruder und nahm ihm sein liebstes Spielzeug weg. Er heulte, und als nachmittags unsere Großmutter zu Besuch kam, erzählte er ihr, was ich getan hatte. Sonst liest sie uns beiden immer eine Geschichte vor, aber diesmal durfte nur mein Bruder zuhören. Ich wurde zur Strafe hinausgeschickt. Da bin ich fortgelaufen."
      Der kleine Hase legte seine Pfote auf Ninas Hand und sprach: "Es gibt Tage, die fangen verkehrt an und gehen verkehrt weiter. Aber sie können ein gutes Ende nehmen. Geh nur nach Hause! Ich bin sicher, dass dort schon alle auf dich warten."
      "Danke, dass du mir zugehört hast", sagte Nina und sah ihn aufmerksam an. "Du hast überhaupt wunderschöne Zuhör-Ohren. Ich kenne niemand, der so schöne Zuhör-Ohren hat wie du." Da lachte der kleine Hase und freute sich sehr. Als Nina sich getröstet auf den Heimweg gemacht hatte, kehrte er zu den anderen Hasen zurück und schämte sich nie mehr für seine Ohren. Er war jetzt stolz darauf, dass er etwas hatte, das außer ihm niemand besaß.
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      DAS IST EIN OSTEREI



      Marion wohnte in einem Hochhaus. Sie wohnte gern dort, weil viele Kinder da waren. Man fand eigentlich immer jemanden zum Spielen. Am Dienstag nach Ostern fuhr Marion mit dem Fahrstuhl aus dem sechsten Stock nach unten. Es war schönes Wetter, und sie freute sich, dass sie noch Ferien hatte. Sie wollte zum Spielplatz. Irgend jemand würde schon da sein. In der rechten Tasche ihres Anoraks steckten zwei Schokoladeneier, eins in Goldpapier war mit Nugat gefüllt, das in Silberpapier mit Marzipan. Der Fahrstuhl hielt im dritten Stock, und ein Junge stieg ein. Er war ungefähr so groß wie Marion, hatte wellige schwarze Haare und sehr dunkle Augen. Die Tür schob sich hinter ihm zu. Es ist merkwürdig, wenn man im Fahrstuhl so dicht beieinandersteht und sich nicht kennt. Man weiß nicht, ob man sich anschauen soll oder nicht.
      Marion sah zuerst an dem Jungen vorbei. Über seiner Schulter war der rote Alarmknopf. Den starrte sie an. Aber dann ließ sie ihren Blick weiterwandern und merkte, dass der Junge sie aufmerksam musterte.
      Marion gab sich einen Ruck. "Bist du neu hier?" frage sie.
      Der Junge nickte. "Wie heißt du?" "Demetrios. Und du?" "Marion. Bist du deutsch?" "Nein, griechisch. Wir kommen aus Saloniki."
      Marion nickte unsicher. Sie wusste nicht, wo das war. Der Junge sprach ebenso gut deutsch wie sie. Er sah nett aus. Sie griff in die Tasche und holte das in Goldpapier gewickelte Schokoladenei heraus, das mit Nugat. "Das ist ein Osterei!" erklärte sie feierlich. Demetrios lachte. "Ich bin ja nicht blöd", sagte er. "Und aus dem Urwald komme ich auch nicht." Aber das Ei nahm er an.
      Nachmittags guckte Marion im Fernsehen einen Kinderfilm. Da klingelte es. Die Mutter öffnete die Tür. "Hier ist Besuch für dich, Marion!" rief sie.
      Marion wollte eigentlich nicht gern gestört werden, aber neugierig war sie auch. Sie lief zur Tür. Draußen stand Demetrios. Er hielt ihr ein buntbemaltes Ei entgegen. "Das ist ein Osterei!" erklärte er feierlich, und dann grinste er. Marion lachte. "Vielen Dank", sagte sie. "Es ist sehr schön. Hast du es selbst bemalt?"
      Demetrios nickte. "Wir bemalen immer alle Eier selbst, zusammen mit der ganzen Familie. Aber dieses hier ist von mir."
      "Willst du nicht reinkommen?" fragte Marion. "Im Fernsehen läuft gerade ein lustiger Film. Ich kann dir den Anfang erzählen. Nachher können wir noch ein bisschen spielen." Sie hockten sich nebeneinander vor den Fernsehapparat. "Ich bringe euch ein Stück Kuchen", sagte Marions Mutter, als der Film zu Ende war. "Es ist noch Osterzopf da. Wollt ihr Kakao oder Saft?" "Lieber Saft!" antwortete Demetrios schnell. Marion nickte. Sie mochte auch lieber Saft. Nachher spielten sie Mühle. Jeder gewann zweimal. Dann hatten sie keine Lust mehr. "Hast du ein Kartenspiel?" fragte Demetrios. "Ich kann damit zaubern." Marion brachte ihm eins und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Demetrios wusste immer, welche Karte sie gezogen hatte. Dabei ließ sie ihn bestimmt nicht gucken. Einmal zauberte er sogar ein Herz-As hinter ihrem Ohr hervor. Marion war ganz begeistert. Noch ein bisschen später stellten sie fest, dass Demetrios nach den Ferien in dieselbe Schule und in dieselbe Klasse kommen würde wie Marion "Du kannst bestimmt neben mir sitzen", sagte sie. "An unserem Tisch ist noch ein Platz frei".
      Demetrios war froh. Das konnte man sehen. "Ja, gern. Es ist nicht schön, wenn man neu ist und niemand kennt." "Ich weiß!" sagte Marion. "Wir sind auch erst im letzten Herbst hier eingezogen. Da war ICH neu in der Klasse."
      "Hat dir niemand ein Osterei geschenkt?" Marion lachte. "Im Herbst gibt es doch keine Ostereier!" Demetrios lachte auch. "Ein Glück, dass jetzt Frühling ist!"
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .
      GUTE FREUNDE?



      So ein prächtiger Frühlingstag! Die Sonne zog alle hinaus ins Freie, hinaus auf die grünen Wiesen: Dort sprossen die Gräslein, dort hüpften die Häslein. Nur Tom hüpfte nicht. Er saß auf einem Hocker in der Werkstatt, bepinselte Eier und ärgerte sich fürchterlich über alle Welt - und im Besonderen über Tante Polly.
      Ihre Worte klangen ihm noch in den Ohren: "Am Dienstag wolltest du deine Ostereier am Mittwoch bemalen. Am Mittwoch war die Rede von Donnerstag und am Donnerstag hast du es auf Freitag verschoben. Heute ist Freitag. Schönes Wetter hin, Ballspielen her: heute erledigst du deine Aufgaben. Ende der Durchsage."
      Jetzt hockte Tom also vor einem großen Korb weißer Eier und schwang verdrossen seinen Pinsel. Er malte ein paar fade grüne Kreise, machte drei, vier blaue Tupfer. Fertig. Dann zählte er nach: Herrje, erst sieben bunte Eier. Und noch 93 weiße. Dabei saß er schon so lange hier. Mutlos drehte Tom das nächste Ei in seinen Pfoten.
      Doch plötzlich wurde er lebendig. Vergnügt pfeifend hielt er das nächste Ei ins Licht, kniff ein Auge zusammen, setzte sorgfältig den Pinsel an und malte mit größter Hingabe einen schönen blauen Kreis. Der Grund für diese erstaunliche Veränderung hieß Rüdiger. Das war das größte Lästermaul weit und breit. Rüdiger kam eben um die Ecke gebogen und spähte durchs Fenster in Toms Werkstatt. "Na, großer Meister, immer fleißig, was?" "Moment", murmelte Tom, als wäre er ganz in die Arbeit vertieft. Sorgfältig wählte er einen neuen Pinsel aus. Er mischte aus Blau und Gelb ein wunderschönes Grün und zog einen zweiten Kreis ums Ei. "Ach, du bist es, Rüdiger!", sagte Tom dann. "Hast du dieses Grün gesehen? Dieses Grün, aus Blau und Gelb gemischt?"
      Rüdiger steckte den Kopf durchs Fenster. Verblüfft kratzte er sich hinter den Löffeln. "Du willst doch nicht behaupten, du machst das freiwillig?", fragte er spöttisch. "Eier bepinseln, wenn draußen die Sonne scheint? Das hat dir deine Tante Polly eingebrockt, gib's zu!! "geh mir aus der Sonne!", sagte Tom. "Heute ist perfektes strahlendes Sonnenlicht. So was gibt's nur alle hundert Jahre!"
      Rüdiger zog den Kopf zurück und tauchte in voller Größe in der Tür auf. Mit offenem Mund sah er zu, wie Tom eine wunderschöne gelbe Spirale rund um das ganze Ei zog. Stolz hielt Tom sein Werk hoch. "Na"? "Und das hat dir Doch deine Tante Polly eingebrockt!", maulte Rüdiger. Tom tat, als hätte er nichts gehört. Er tauchte den Pinsel in ein leuchtendes Blau und Zog ihn über das Weiß eines neuen Eies. "Wie der Himmel über schneebedeckter Erde", sagte er. Jetzt wurde es Rüdiger zu bunt. "Lass mich auch mal!", bat er und griff nach Pinsel und Ei.
      "Pfoten weg!", rief Tom. "Aber ich kann das auch. Da ist doch nichts dabei!, sagte Rüdiger. "Ich geb´ dir auch eine Möhre dafür!" Endlich war Tom einverstanden. Rüdiger klemmte die Zunge zwischen die Zähne und fing behutsam an zu pinseln. Er machte es erstaunlich geschickt. Tom stand daneben und freute sich diebisch. Doch natürlich ließ er sich nichts anmerken. Im Gegenteil. Er mäkelte an den Farben herum, an den Strichen und an jedem kleinen Ausrutscher. Rüdiger strengte sich noch mehr an. Schon hatte er das zweite Ei in Arbeit, für eine zweite Möhre.
      Als er eben mit dem dritten Ei begann, da tauchten Olga und Elga auf, die beiden Zwillinge. Im Schlepptau hatten sie ihren kleinen Bruder Maxi. Der musste die Schnur zum Seilspringen tragen, die Bälle und die Tasche mit all den Sachen zum Essen für ein Picknick am Bach.
      Als sie Rüdiger erblickten, blieben sie wie angewurzelt stehen. Noch nie hatten sie ihn mit so viel Eifer bei der Arbeit gesehen.
      "Ruhe!", rief Rüdiger, bevor noch irgendjemand etwas sagen konnte. "Künstler an der Arbeit! Geht mir aus der Sonne!"
      "Aber wir wollten doch heute gemeinsam..."
      "Moment!", rief Rüdiger. Er setzte zu einem schwierigen dottergelben Wellenstrich an und da musste man gut Acht geben. "Es ist das Licht heute", erklärte er. "Die helle Sonne, seht mal, die holt die Farben richtig toll raus."
      Olga und Elga und der kleine Maxi guckten eine Weile hin und dann sagten sie, dass sie es jetzt auch sähen. Olga und Elga wollten auch mitmalen und zwar unbedingt. Leider hatten sie keine Möhren. Aber sie versprachen Tom ihm bis zu den großen Ferien bei allen Schularbeiten zu helfen. Tom brummte "hmm" und "na ja" und legte nachdenklich die Löffel über Kreuz. Dann sagte er "Also gut." Olga und Elga machten sich eifrig ans Werk. Tom spazierte hin und her und lobte dieses Ei und kritisierte jenes. Dann setzte er sich zum kleinen Maxi hinaus in die Sonne. Der verstand das alles nicht.
      "Zu Hause rühren sie keinen Finger", erzählte er. "Aber hier sitzen sie in der Werkstatt. Kapier ich nicht."
      "Dafür bist du noch zu klein", meinte Tom. "Komm, lass mal sehen, was du zum Essen mithast!"
      Tom und Maxi aßen sich satt. Danach machten sie ein Schläfchen. Dann spielten sie Federball. Und dann waren auch schon alle Eier schön bemalt. "Das war ein feiner Zug von dir, Tom!", sagte Rüdiger. "Die Möhren bringe ich morgen vorbei."
      "Vielen Dank!", riefen auch Olga und Elga, bevor sie mit Maxi weiterzogen. "Gern geschehen", antwortete Tom Dann holte er Tante Polly um ihr zu zeigen, dass er fertig war.
      Tante Polly kam aus dem Staunen nicht raus. "Alles an einem Nachmittag? Und ganz allein?"
      "Nicht ganz allein", gab Tom zu. "Ein paar gute Freunde haben mir geholfen."
      Sprich nie ein hartes Wort, womit Du jemanden kränkst. Du triffst vielleicht sein Herz, viel tiefer als Du denkst .